Thank you for sharing

(Text zu mobile trip OKK, Ausstellung Thank you for sharing, OKK Berlin, 08.09. - 01.10.2017)

Privateste Momente werden mit dem Mobiltelefon in Fotos und Videos festgehalten und können binnen weniger Sekunden mit der Welt geteilt werden. Dabei entstehen unzählige Andenken. Das Erlebnis aber verändert sich durch die Präsenz des Mobiltelefons.

 

Ähnlich verhält es sich in der ortsspezifischen Installation mobile trip OKK von Franziska Harnisch. Die Künstlerin fordert die Besucher*innen auf, ihre Mobiltelefone in einer durchsichtigen Postkarten-Halterung am Fenster des Ausstellungsraums zu platzieren. Mit dem Handydisplay nach außen gerichtet, soll das Geschehen im Raum bis zum Verlassen der Ausstellung gefilmt werden. So wird zum einen, den Vorübergehenden und potenziellen Besucher*innen, ein distanzierter Blick über die installierten Displays in den Ausstellungsraum ermöglicht. Zum anderen wird der eigene Ausstellungsbesuch sowie der von anderen dokumentiert. Die Besucher*innen müssen sich auf diese, ihnen schon von anderen öffentlichen Räumen bekannte Situation einlassen, möchten sie die Ausstellung im Detail betrachten. Wie reagiert man auf die stetig laufenden Aufnahmen

und die Dokumentation der eigenen Schritte im Ausstellungsraum? Möglich sind völlig unterschiedliche Szenarien vom Ignorieren der Kamera bis hin zum bewussten Spiel mit ihr.

Das Werk bewirkt außerdem einen ungewohnten Umstand für die heutige Smartphone-Generation, indem es eine temporäre Trennung vom Mobiltelefon fordert. Das zeitweise Abgeben des Smartphones wirkt der Gewohnheit, alles und jeden sofort zu dokumentieren, entgegen.

 

Die Künstlerin macht in ihrem Werk auf das Wechselspiel von tatsächlicher Unkenntnis der Gefahren stetiger Dokumentation unseres Selbst und der Umwelt aufmerksam, also der freiwilligen Preisgabe sensibler Informationen, sowie der Gleichgültigkeit dem gegenüber. Die Besucher*innen können entscheiden, ob sie das Filmmaterial behalten, es mit ihren tatsächlichen Eindrücken von der Ausstellung abgleichen oder es sogar in den sozialen Netzwerken teilen.

 

Das Thema ‚Sharing‘ zieht sich durch die Arbeiten von Franziska Harnisch. Die Künstlerin beschränkt sich dabei nicht nur auf das Teilen von Inhalten in sozialen Netzwerken, sondern meint auch das Teilen von Wissen, Essen, Autos, bis hin zu Gebrauchsgegenständen. Gesellschaftliche Vernetzungen, die durch ‚Sharing’ und den dazugehörigen Online-Portalen entstehen, bilden die Basis für Harnischs Arbeiten, die sich im Bereich der Urban und Live Art bewegen. (artburst berlin, Kunst- und Kulturverein, 2017)