Ich bin Künstlerin, ich kuratiere und leite einen Projektraum. Für mich fließen diese Tätigkeiten ineinander über und bedingen sich gegenseitig. Prozess und Interaktion stehen dabei im Vordergrund. Ich bin der Auffassung, dass künstlerische Arbeit von eben dieser Prozessualität und dem Interagieren in einer oder mehreren bestimmten, nicht ausschließlich 'kunstnahen' Öffentlichkeit(en) lebt und sich auch nur dadurch entwickeln kann. Für mich findet Kunst nicht im White Cube statt.

 

In meiner Arbeit spielen Übertragungsmuster, der Begriff von Autorschaft und eine gewisse unkontrollierbare Handlungsentwicklung eine Rolle. Dabei spiele ich mit und bewege mich zwischen der Vermischung von digitalem, virtuellem und analogem Raum. Die Begriffsfolge „Codierung, Interaktion, Experiment“ beschreibt meine Arbeitsweise recht passend. Ich arbeite oft mit Open Calls, einer kuratorischen Strategie, und stecke Handlungsrahmen für parti­zipative Interaktionen ab. Andere Menschen werden zu Akteuren und handeln in bzw. mit oder durch meinen Arbeiten. Je nach Präzisionsgrad der Handlungsanweisungen ist das Ergebnis mitunter nicht berechenbar. Die Arbeit an sich entsteht nur durch partizipative Mitwirkung oder deren Ausbleiben. (Franziska Harnisch, 2020)